Über Krimis

VVG: Jan, dein zehntes Buch „Figgn, Alda!“ fällt aus dem Rahmen. Ist das selbsterlebte Realität? Nein, es ist keine Autobiografie; das sind meine Bücher in den seltensten Fällen. Ich hatte einfach mal wieder Lust, zu den Wurzeln zurückzukehren; etwas leichter und lockerer zu schreiben, und da kamen mir die Kurzgeschichten sehr passend. VVG: Wie kam es zu einem Porno? Mein Verleger Jim Baker fragte mich letzten Sommer, ob ich nicht Lust dazu hätte. Er erzählte mir, dass ein Großteil schwuler Sexgeschichten von heterosexuellen Frauen geschrieben würde. Das fand ich pervers. Nachdem ich ein paar Geschichten davon angelesen hatte, habe ich nur gedacht „Was für eine fürchterliche Sprache, das kann ich besser!“. Und als ich angefangen habe, hat das Schreiben wirklich Spaß gemacht. Ich hatte aber den Anspruch, einen Porno so zu schreiben, dass es eine Geschichte drumherum gibt und es nicht nur um das Eine geht. VVG: Was schreibt sich einfacher: Krimis oder Pornos? Beim Krimi muss ich Szene für Szene vorausplanen. Bei Sexgeschichten kann man sich einfach ein bisschen treiben lassen. VVG: Pornos lesen und anschauen erregt die Betrachter. Wie ist das beim Schreiben? Darüber habe ich nie nachgedacht. Nein, eigentlich hat mich das nie erregt. Man ist an sich mit der Story beschäftigt. VVG: Wird es wie in deiner Krimi-Serie weitere Folgen geben? Wer weiß, wenn es gut läuft… Keine Ahnung. Aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht. Und mir würden ganz sicherlich noch ein paar weitere Geschichten einfallen. Mal abwarten, das Buch ist ja eben erst erschienen. VVG: Das Buch hatte auch schon den ersten „Skandal“. Weshalb? Ein großer Onlinebuchhändler hatte sich über das Cover mokiert und sich geweigert, es so ins Netz zu stellen. Man ahnt auf dem Coverbild, dass ein Typ oral befriedigt wird. Ich finde, die Anrüchigkeit spielt sich im Kopf des Betrachters ab. Nachdem das Cover mit einem anderen Bildausschnitt gestaltet wurde, haben sie es akzeptiert. Mittlerweile ist das Original-Cover wieder im Netz. VVG: In „Love to love you, Baby“ geht es um ein Coming-out in den 1970ern, in „Ihn halten, wenn er fällt” um die Zerstörung einer Beziehung. „Und dann der Himmel“ ist ein schwules Roadmovie. „Mit seinen Augen“ beschreibt das Gaylife in den 1950ern, „Wie Jakob die Zeit verlor“ den Ausbruch der Aids-Krise in den 1980ern und in „Haus voller Wolken“ geht es um Schwule und Alzheimer. Nach welchen Gesichtspunkten suchst du dir ein Thema aus? Nach keinem. Die Geschichten entstehen spontan im Kopf. Ich spreche sie mit meinem Verleger ab und mittlerweile bin ich – glaube ich – so erfolgreich, dass ich immer ein OK bekomme. Es ist schade, dass viele immer noch meinen, schwule Literatur hätte nichts zu bieten und würde sich nur auf den Unterleib beziehen. Das stimmt einfach nicht. VVG: Welches ist dein persönlichstes Buch? „Wie Jakob die Zeit verlor“. Den Ausbruch der Aids-Krise habe ich ja voll miterlebt und sehr viele Freunde an Aids verloren. Im Buch habe ich meine Erfahrungen aufgearbeitet. VVG: Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen? Dazu gibt es ja keine Berufsausbildung. Ich bin gelernter Historiker mit dem Schwerpunkt angloamerikanische Geschichte. Nach meinem Studienabschluss bin ich zunächst im Pflegebereich gelandet. Zuerst im schwulen ambulanten Pflegedienst, wo vor allem Männer mit HIV und Aids betreut wurden, danach habe ich im Hospiz gearbeitet, das heute als „Dirk Bach Haus“ bekannt ist. Nach zwölf Jahren Pflegearbeit habe ich mit dem Schreiben angefangen. Ich hatte immer etwas für andere Menschen getan, jetzt wollte ich mal etwas für mich tun. Und Schreiben wollte ich eigentlich seit meiner Kindheit. Mit zwölf Jahren habe ich einen Brief an Astrid Lindgren (Pippi Langstrumpf) geschrieben und sie gefragt, wie man Schriftsteller wird. Sie hat mir tatsächlich geantwortet. VVG: Was braucht man, neben einem PC, wenn man ein Buch schreiben will? Durchhaltevermögen. Phantasie. Ein gutes Gedächtnis. Und Disziplin insofern, als man sich täglich mit möglichst festen Zeiten an den PC setzt und durch nichts abbringen lässt. Außerdem muss man den Drang haben, eine Geschichte erzählen zu wollen. Man sollte aber nie davon ausgehen, dass man Ruhm und Reichtum ernten wird, das wäre die falsche Vorgehensweise. VVG: Wann kannst du am besten deine Gedanken zu Papier bringen? Am Vormittag. Da ist mein Mann, mit dem ich seit 18 Jahren zusammen und seit drei Jahren verpartnert bin, auf der Arbeit. Denn zum Schreiben braucht man außerdem – das habe ich gerade vergessen – noch Ruhe. VVG: Was macht ein Buch erfolgreich? Schwierige Frage. Es muss ein guter Plot mit plausibler Handlung sein. Es muss den Leser berühren, sonst macht das Lesen keinen Spaß. Ein Leser muss sich in irgendeiner Form mit dem Thema des Buches, mit seinen Figuren und mit der Handlung identifizieren können. Für mich ist ein Buch immer gut, wenn es mein Kopfkino ankurbelt. VVG: Du bist einer der bekanntesten zeitgenössischen schwulen Autoren im deutschsprachigen Raum. Erzeugt das Druck? Nein. Ich weiß, dass ich für eine „Nische“ produziere. Meine Bücher werden nie auf der Spiegel-Bestsellerliste landen, weil die Geschichten über schwules Leben in Deutschland nur eine kleine Minderheit interessieren. Das Interview führten Viktor Vahlefeld und Volker Glasow für die Zeitschrift Schwulissimo.

Mordsbuch: Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin 1961 geboren, lebe seit über dreißig Jahren in Köln und seit fast zwanzig Jahren in einer festen Beziehung mit einem Mann. Ich mag Abba, Take That, die Pet Shop Boys und John Grant, Star Trek, und Knoblauch-Hähnchen. Und ich kann Karneval nicht ausstehen.

Mordsbuch: Seit wann schreibst du?

Seit ungefähr 15 Jahren.

Mordsbuch: Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Nachdem ich zwölf Jahre in einem Hospiz gearbeitet hatte, beschloss ich, dass es Zeit war, etwas für mich zu tun, etwas, dass nur für mich wichtig war. Schreiben wollte ich schon immer. Daraus entstand mein erster Roman, der zum Glück so erfolgreich war, dass ich seitdem immer weiterschreiben konnte.

Mordsbuch: Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? Das wollte ich schon als Kind. Mit zwölf Jahren habe ich Astrid Lindgren in einem Brief die Frage gestellt, wie man Schriftsteller wird. Sie hat mir tatsächlich geantwortet und geschrieben, dass man dazu wohl geboren wird. Den Brief habe ich immer noch, auch wenn ich ihre Antwort damals eher ernüchternd fand. Tatsache ist aber auch, dass ich schon immer wenigstens ein Mal meinen Namen auf dem Cover eines Buches sehen wollte. Also, ein bisschen Ehrgeiz gab es auch.

Mordsbuch: Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Glücklicherweise habe ich zwei Standbeine, in zwei unterschiedlichen Genres. Zum einen natürlich Krimis, zum anderen Romane, in denen ich Geschichten über das schwule Leben in Deutschland erzähle. Von daher wechsele ich immer zwischen den Welten. Alle Bücher sind im Querverlag, Berlin, erschienen.

Mordsbuch: Hast du für deine Bücher recherchiert?

Natürlich. Welcher Schriftsteller tut das nicht? Viele Sachen kann man ja heutzutage googeln, was einem die Sache enorm erleichtert. Manchmal allerdings reicht das nicht, dann muss man sich vor die Tür bemühen oder mit Fachleuten sprechen, z.B. mit Gerichtsmedizinern. Für die Krimis recherchiere ich immer die Originalschauplätze der Handlung oder auch Todesarten usw. Für die Arbeitsweise der Polizei steht mir ein Freund zur Seite, der bei der Kripo gearbeitet hat. Und natürlich recherchiere ich Damenhandtaschen, denn Maria Plasberg - meine Kommissarin - hat einen Handtaschentick. Das macht tatsächlich am meisten Spaß.

Mordsbuch: Wo schreibst du am liebsten?

Zu Hause, am Schreibtisch, auf dem Laptop.

Mordsbuch: Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich habe feste Arbeitszeiten, denn ohne Disziplin komme ich nicht voran. Die Zeiten halte ich immer ein, es sei denn, ich bin auf Lesereise oder im Urlaub.

Mordsbuch: Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Nach dem neuen Krimi "Aus Hass" wird es Zeit für einen weiteren Roman. Es wird eine Dystopie werden über eine Zeit, in der Schwule und Lesben erneut verfolgt werden. Ich halte den derzeit aufkommenden Rechtspopulismus für weitaus gefährlicher als manche denken. Dagegen muss ich als Schriftsteller und als Angehöriger einer Minderheit Stellung beziehen. Und Dystopien haben in der Literatur eine lange Tradition. Man denke nur an "Die Geschichte der Magd" von Margaret Atwood, "1984" von George Orwell oder "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley. Aber auch für einen neuen Krimi hätte ich einen netten Plot.

Mordsbuch: Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Nein. Als Autor muss man seinen eigenen Stil finden, ansonsten kopiert man nur seine Vorbilder.

Mordsbuch: Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Da ich anglo-amerikanische Geschichte studiert habe, bin ich ziemlich anglophil: Alles von John Irving und Margaret Atwood, die Kurzgeschichten von Alice Munro, die "Canopus in Argos"-Serie von Doris Lessing, J.K.Rowling - die übrigens auch gute Krimis schreibt, J.R.R.Tolkien, und Biographien über amerikanische Präsidenten. (Jeder braucht einen kleinen Tick.) Im Krimibereich lese ich gerne Agatha Christie und Elizabeth George.

Mordsbuch: Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen, Kino, Fitnessstudio

Mordsbuch: Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Nein. Privat ist privat.

Mordsbuch: Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Es ist schon schön, wenn man auf Lesungen oder per E-Mail oder Social Media Lob oder auch Kritik erfährt. Die meisten Leser denken nicht darüber nach, dass man teilweise jahrelang im stillen Kämmerlein an einem Romanprojekt arbeitet. Allerdings wäre es auch ein wenig viel verlangt, von jedem Leser eine Reaktion zu erwarten. Wenn man ein Projekt beendet und veröffentlicht hat, muss man loslassen können und sich dem nächsten zuwenden. Was die Öffentlichkeit dann damit macht, liegt nicht mehr in der Hand des Autoren.

Mordsbuch: Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Um ein Zitat von Spock zu verwenden: Live long and prosper!


Das Interview führte Bianca Pohlig für das Internetportal mordsbuch.net

 

Mordsbuch: Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin 1961 geboren, lebe seit über dreißig Jahren in Köln und seit fast zwanzig Jahren in einer festen Beziehung mit einem Mann. Ich mag Abba, Take That, die Pet Shop Boys und John Grant, Star Trek, und Knoblauch-Hähnchen. Und ich kann Karneval nicht ausstehen.

Mordsbuch: Seit wann schreibst du?

Seit ungefähr 15 Jahren.

Mordsbuch: Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Nachdem ich zwölf Jahre in einem Hospiz gearbeitet hatte, beschloss ich, dass es Zeit war, etwas für mich zu tun, etwas, dass nur für mich wichtig war. Schreiben wollte ich schon immer. Daraus entstand mein erster Roman, der zum Glück so erfolgreich war, dass ich seitdem immer weiterschreiben konnte.

Mordsbuch: Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? Das wollte ich schon als Kind. Mit zwölf Jahren habe ich Astrid Lindgren in einem Brief die Frage gestellt, wie man Schriftsteller wird. Sie hat mir tatsächlich geantwortet und geschrieben, dass man dazu wohl geboren wird. Den Brief habe ich immer noch, auch wenn ich ihre Antwort damals eher ernüchternd fand. Tatsache ist aber auch, dass ich schon immer wenigstens ein Mal meinen Namen auf dem Cover eines Buches sehen wollte. Also, ein bisschen Ehrgeiz gab es auch.

Mordsbuch: Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Glücklicherweise habe ich zwei Standbeine, in zwei unterschiedlichen Genres. Zum einen natürlich Krimis, zum anderen Romane, in denen ich Geschichten über das schwule Leben in Deutschland erzähle. Von daher wechsele ich immer zwischen den Welten. Alle Bücher sind im Querverlag, Berlin, erschienen.

Mordsbuch: Hast du für deine Bücher recherchiert?

Natürlich. Welcher Schriftsteller tut das nicht? Viele Sachen kann man ja heutzutage googeln, was einem die Sache enorm erleichtert. Manchmal allerdings reicht das nicht, dann muss man sich vor die Tür bemühen oder mit Fachleuten sprechen, z.B. mit Gerichtsmedizinern. Für die Krimis recherchiere ich immer die Originalschauplätze der Handlung oder auch Todesarten usw. Für die Arbeitsweise der Polizei steht mir ein Freund zur Seite, der bei der Kripo gearbeitet hat. Und natürlich recherchiere ich Damenhandtaschen, denn Maria Plasberg - meine Kommissarin - hat einen Handtaschentick. Das macht tatsächlich am meisten Spaß.

Mordsbuch: Wo schreibst du am liebsten?

Zu Hause, am Schreibtisch, auf dem Laptop.

Mordsbuch: Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich habe feste Arbeitszeiten, denn ohne Disziplin komme ich nicht voran. Die Zeiten halte ich immer ein, es sei denn, ich bin auf Lesereise oder im Urlaub.

Mordsbuch: Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Nach dem neuen Krimi "Aus Hass" wird es Zeit für einen weiteren Roman. Es wird eine Dystopie werden über eine Zeit, in der Schwule und Lesben erneut verfolgt werden. Ich halte den derzeit aufkommenden Rechtspopulismus für weitaus gefährlicher als manche denken. Dagegen muss ich als Schriftsteller und als Angehöriger einer Minderheit Stellung beziehen. Und Dystopien haben in der Literatur eine lange Tradition. Man denke nur an "Die Geschichte der Magd" von Margaret Atwood, "1984" von George Orwell oder "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley. Aber auch für einen neuen Krimi hätte ich einen netten Plot.

Mordsbuch: Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Nein. Als Autor muss man seinen eigenen Stil finden, ansonsten kopiert man nur seine Vorbilder.

Mordsbuch: Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Da ich anglo-amerikanische Geschichte studiert habe, bin ich ziemlich anglophil: Alles von John Irving und Margaret Atwood, die Kurzgeschichten von Alice Munro, die "Canopus in Argos"-Serie von Doris Lessing, J.K.Rowling - die übrigens auch gute Krimis schreibt, J.R.R.Tolkien, und Biographien über amerikanische Präsidenten. (Jeder braucht einen kleinen Tick.) Im Krimibereich lese ich gerne Agatha Christie und Elizabeth George.

Mordsbuch: Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen, Kino, Fitnessstudio

Mordsbuch: Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Nein. Privat ist privat.

Mordsbuch: Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Es ist schon schön, wenn man auf Lesungen oder per E-Mail oder Social Media Lob oder auch Kritik erfährt. Die meisten Leser denken nicht darüber nach, dass man teilweise jahrelang im stillen Kämmerlein an einem Romanprojekt arbeitet. Allerdings wäre es auch ein wenig viel verlangt, von jedem Leser eine Reaktion zu erwarten. Wenn man ein Projekt beendet und veröffentlicht hat, muss man loslassen können und sich dem nächsten zuwenden. Was die Öffentlichkeit dann damit macht, liegt nicht mehr in der Hand des Autoren.

Mordsbuch: Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Um ein Zitat von Spock zu verwenden: Live long and prosper!


Das Interview führte Bianca Pohlig für das Internetportal mordsbuch.net

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